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Dark
Sky
City

Fulda ist erste deutsche Sternenstadt

Fulda setzt Zeichen im Kampf gegen die Lichtverschmutzung und erfährt für diese Anstrengungen auch international Anerkennung: Die in den USA ansässige International Dark-Sky-Association (IDA) hat im Januar 2019 die Bewerbung der Stadt um den Status Dark-Sky-Community positiv beschieden.

Fulda ist damit die erste „Sternenstadt“ Deutschlands! Weltweit ist Fulda nun die zweitgrößte Stadt, die diesen Status erhalten hat; in Europa ist Fulda unter insgesamt fünf Kommunen sogar die größte Stadt.

Ein großer Teil der Lichtverschmutzung ist vermeidbar, und Fulda will mit intelligenten und nachhaltigen Lösungen als Vorbild für andere Kommunen vorangehen. Der Titel „Sternenstadt“ bedeutet keinesfalls, dass es nun auf Fuldas Straßen dunkler wird: Aber Licht gehört auf den Gehsteig und die Straße – und nicht in den Himmel. Zu viel und vor allem falsch gerichtetes, schlecht gesteuertes Licht mit kalten Lichtfarben beeinträchtigt nachweislich das Leben vieler nachtaktiver Arten, stört Pflanzen und belastet die Gesundheit der Menschen. Künstliches Licht muss standort- und bedarfsgerecht eingesetzt werden, so kann Lichtverschmutzung vermieden werden. Die Lichtreduzierung senkt zudem Kosten und durch die Energieeinsparung wird von jedem ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Urbanität und Ökologie werden durch teilweise wenige, einfache – aber sehr effiziente Maßnahmen in Einklang gebracht.

NEU: Gehe mit Luna auf Tour

Für Gäste-Kinder und Einheimische bietet das Tourismus und Kongressmanagement der Stadt Fulda eine interaktive Smartphone Stadtrallye an. Gemeinsam mit Eule Luna entdecken Kinder bis 10 Jahren mit der interaktiven kostenfreien Smartphone Rallye (BYOD) die Sternenstadt Fulda und werden zu zertifizierten Lichtexperten. Die Rallye kann jederzeit von Kindern mit Eltern, Großeltern und Geschwistern an der Tourist Information gestartet werden. Insgesamt werden 5 Stationen in der Innenstadt zu Fuß erkundet und an jeder Station gibt es Erklärungen und Aufgaben zum Thema Licht. Es muss geschaut, sortiert, gezählt, geklickt und gewischt werden. Jedes Mal, wenn die Lösung richtig ist, freut sich Luna. Sollte einmal die Lösung auf Anhieb nicht gefunden werden, ermuntert Luna die Kinder es so lange zu versuchen, bis die richtige Lösung auf dem Display erscheint. Die Aufgaben und Erklärungstexte können selbst gelesen werden oder Luna spricht sie. Am Ende der Rallye sind alle zu Lichtexperten geworden und erhalten eine Urkunde auf ihr Smartphone. Hier kommst du direkt zur Web-App.

Gemeinsam zum Schutz der Nacht

Und so können Sie mitmachen:

Beleuchtungs-Richtlinie

Mit Blick auf die Bewerbung als „Sternenstadt“ hat die Stadt Fulda bereits eine Richtlinie zum nachhaltigen Umgang mit funktionalem und gestalterischem Licht verabschiedet, die dazu beitragen soll, das Erscheinungsbild der Stadt Fulda vor Verunstaltung und Überinszenierung durch falsch eingesetztes Licht zu schützen.

Die Richtlinie ist zunächst eine Selbstverpflichtung der Stadt, bei eigenen Beleuchtungsanlagen alle Formen von Lichtverschmutzung zu minimieren. Zugleich soll die Richtlinie auch private Bauherren und Planern sowie Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden wichtige Handreichungen für eine energiesparende, klimafreundliche Lichtoptimierung bieten. Die Stadt will dabei für eine freiwillige Mitwirkung sensibilisieren und bietet auch entsprechende Beratung an.

Fulda geht seit vielen Jahren mit gutem Beispiel voran und setzt bei Neuerrichtung von öffentlichen Beleuchtungsanlagen generell zeitliche Steuerungen zum Dimmen und Abschalten der modernen LED-Leuchten ein.

Dark Sky Community

Verliehen wird die Auszeichnung „Sternenstadt“ („Dark Sky Community“) von der International Dark-Sky Association (IDA), der internationalen führenden Autorität auf dem Gebiet der intelligenten verantwortungsvollen nächtlichen Außenbeleuchtung. Sie wird an solche Kommunen verliehen, die sich mit konkreten Maßnahmen für den Schutz der Nacht engagieren. 

Ziel ist es, die Beleuchtung zu optimieren. Das bedeutet, dass die nächtliche Beleuchtung von allen Akteuren möglichst blendfrei und rücksichtsvoll gestaltet wird. So wird die Stadt auch vor Verunstaltung und Überinszenierung sowie vor Konflikten innerhalb der Nachbarschaft bewahrt. Darüber hinaus geht es darum, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Dies dient dem Wohlergehen der Menschen (gesunder Schlaf und Biorhythmus), ebenso aber auch der Umwelt, insbesondere dem Artenschutz in den städtischen Grünanlagen, Parks und Gärten. Denn viele der mit uns lebenden Tiere sind nachts unterwegs und an die natürlicherweise geringen Beleuchtungsstärken der Nacht angepasst; z.B. Igel, Fledermäuse, Glühwürmchen etc. Für tagaktive Tiere wie die Singvögel und Eichhörnchen ist der nächtliche Garten oder der nächtliche Grünbereich ein wichtiger Ruheraum, der zur Erholung und Aufzucht des Nachwuchses möglichst natürlich dunkel sein sollte.

Sternenpark Rhön

Durch die enge Zusammenarbeit mit der RhönEnergie Fulda und der Nähe zum Sternenpark UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, hat man schon vor einigen Jahren auch in der Stadt Fulda damit begonnen, die öffentliche Beleuchtung möglichst "nachtfreundlich" zu gestalten. Viele Kriterien der IDA sind in Fulda daher bereits heute erfüllt. Weitere nötige Optimierungen werden im Zuge ohnehin anfallender Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sukzessive ausgeführt. Es entstehen also keine nennenswerten Zusatzkosten.  Demgegenüber kann der Imagegewinn weit über die Region hinauswirken.

Planetarium im Vonderau Museum

Das Planetarium im Vonderau Museum wurde kürzlich technisch auf den neuesten Stand gebracht und bietet von 34 Sitzplätzen aus einen Blick in den ungetrüben Sternenhimmel.  Hier erleben die Besucher virtuelle Reisen durch die Weiten des Universums, ermöglicht durch die Simulationstechnik eines PC-Clusters mit moderner Fulldome-Video-Projektion in eine Projektionskuppel über den Köpfen. Planetariumsbesucher sitzen nicht vor einer Leinwand, sondern unter einer Kuppel - mitten im Geschehen. 

Das Programmangebot reicht von spektakulären Weltraumausflügen bis zu eher beschaulichen erdgebundenen Betrachtungen des aktuellen Fuldaer Sternhimmels mit Einsatz des modernisierten klassischen Planetariumsprojektors. Neben rein astronomischen Themen findet auch der Mensch in seinen vielfältigen Beziehungen zum Universum Berücksichtigung in der Programmvielfalt. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite des Planetariums

Aktives Handeln

Grundsätzlich ist gute Beleuchtung immer nach unten gerichtet und blendfrei. Dazu verwendet man sog. voll-abgeschirmte Leuchten. Zudem verwendet man am besten eine warme Lichtfarbe mit nicht mehr als max. 3000 Kelvin Farbtemperatur. Die Beleuchtungsanlagen sollten intelligent gesteuert sein und das Licht nur dann eingeschaltet sein, wenn es tatsächlich gebraucht wird – und zudem in angemessener Lichtmenge. An der Reduzierung der Lichtverschmutzung kann jeder, egal ob Privatperson, Unternehmen, Handel, Gastronomie oder Verband, aktiv mitwirken.

Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen

Die Stadt Fulda wird in den nächsten acht Jahren ihre rund 8.500 Straßenleuchten den Vorgaben der IDA anpassen. Im Wesentlichen geht es dabei um die drei Kernthemen Lichtfarbe, Lichtlenkung und Lichtsteuerung.

Lichtfarbe: Bei den eingesetzten Leuchten im Außenraum sind insbesondere Lichtfarben von 3000 Kelvin (warmweißes Licht) oder wärmer vorzusehen. Insbesondere geht es hierbei darum, höhere Blauanteile im Spektrum des abgestrahlten Lichts (wie bei kälteren Farbtemperaturen) möglichst zu vermeiden, bzw. zu reduzieren.
 
Lichtlenkung: Herstellung einer zielgerichteten und möglichst blendfreien Beleuchtung. Abstrahlungen über den Bestimmungsbereich hinaus, z.B. oberhalb der der horizontalen, nicht zu beleuchtenden Flächen und Objekte sind zu vermeiden. Zur Vermeidung ungerichteter Abstrahlung sind nur voll-abgeschirmte Leuchten einzusetzen. Das bedeutet, dass der Beleuchtungskörper so abschirmt und montiert sein muss, dass kein Licht in oder oberhalb der Horizontale abgestrahlt wird.

Lichtsteuerung: Mit Reduzierung der Lichtmenge durch Dimmung oder Abschaltung der Beleuchtung in der Verkehrsschwachen Zeit kann die Lichtverschmutzung ebenfalls wesentlich reduziert werden. So wird in Fulda bereits seit vielen Jahren in der verkehrsschwachen Zeit zwischen 22:30 Uhr und 5:30 Uhr ein Großteil der Straßenbeleuchtung gedimmt. Dadurch wird zum einen die Lichtverschmutzung verringert und der Energieverbrauch der öffentlichen Beleuchtung gesenkt.

Für die Anstrahlung der kulturell bedeutsamen, historischen Gebäude soll zukünftig v. a. die „Gobo-Technik“ eingesetzt werden, die die konturenscharfe, flächige Beleuchtung der Gebäudefassade ermöglicht und Streulicht in den Nachthimmel vermeidet.

Intelligente (adaptive) Beleuchtung entlang der Radfernwege R1, R2 und R3 in den Auen der Fulda

Im Rahmen des Ausbaus und der Verbesserung der Radfernwege R1, R2 und R3 in den Fuldaauen wurde die Beleuchtung der Geh- und Radwege erneuert. Der überwiegende Teil der betroffenen Geh- und Radwege befindet sich außerhalb von bebauten Gebieten. Gemäß der "Richtlinie der Stadt Fulda zum nachhaltigen Umgang mit funktionalem und gestalterischem Licht im Außenbereich" soll die Installation von Beleuchtung in nicht bebauten Randbereichen möglichst vermieden werden. Die Pflicht, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, machte es jedoch erforderlich, ein Beleuchtungskonzept für die an das Radfernwegenetz des Landes Hessen anschließenden Fuß- und Radwege in Anlehnung an die "Empfehlungen für Radwege (ERA 2010)" zu entwickeln.
Wir haben uns bei der Beleuchtungsplanung daher an den Werten der DIN EN 13201 "Straßenbeleuchtung" orientiert.
Um sowohl die Anforderungen der "Richtlinien der Stadt Fulda für nachhaltige Außenbeleuchtungskonzepte in Funktion und Gestaltung" als auch die "Empfehlungen für Radwege (ERA 2010)" zu erfüllen und gleichzeitig größtmögliche Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu gewährleisten, wurde die neue Beleuchtungsanlage mit modernster Steuerungstechnik ausgestattet.
Dabei handelt es sich um intelligente Steuerungsfunktionen mit moderner Radartechnik und adaptiver Beleuchtung. In der Grundeinstellung wird eine minimale Beleuchtung (20 %) zur Orientierung eingesetzt. Die in den Leuchten eingebauten Radarsensoren erkennen Fußgänger und Radfahrer und ermöglichen eine geschwindigkeits- und richtungsabhängige Anhebung des Beleuchtungsniveaus: Bei Annäherung an die nächste Leuchte wird die Helligkeit auf 100 % erhöht und nach dem Passieren wieder auf 20 % abgesenkt. Als Leuchtmittel werden besonders umwelt- und insektenfreundliche LEDs eingesetzt, die ein gelbes Licht (1800 Kelvin) liefern.
 

  • Es sollten nur Leuchten (besonders Wandleuchten) eingesetzt werden, die das Licht ausschließlich nach unten abstrahlen (“down-lights“), Bodeneinbaustrahler, mit einer Abstrahlung nach oben sollten nicht genutzt werden. Von Ihnen geht i. d. R. eine erhöhte Blendwirkung aus und sie sind große „Lichtverschmutzer“ für den Nachthimmel.
  • Treppen- und Gehwegbeleuchtungen sollten nur nach unten auf die zu beleuchtenden Flächen strahlen. Dabei sollten möglichst niedrige Lichtpunkthöhen unter Berücksichtigung der Blendung der Nutzer eingesetzt werden, um Streulicht zu vermeiden.
  • Auf Anstrahlung von Pflanzen (Bäumen und Büschen) sollte wegen des unvermeidlichen Streulichts verzichtet werden.
  • Flache LED-Strahler sollten horizontal montiert werden, da sie extrem blenden können.
  • Es sollten keine rundum strahlenden Dekoleuchten (Kugelleuchten, Solarkugeln, etc.) eingesetzt werden.
  • Die Beleuchtungsdauer sollte durch Schalter, Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder auf kurze Beleuchtungszeiten eingeschränkt und damit unnütze Energieverschwendung und Lichtverschmutzung vermieden werden. Bewegungsmelder sollten unbedingt so montiert werden, dass sie nur ansprechen, wenn tatsächlich Licht benötigt wird.
  • Es sollte nur warmweißes Licht mit Farbtemperaturen bis 3000 K eingesetzt werden.
  • Am Abend sollten die Rollos und Gardinen am besten geschlossen werden, damit kein unnützes Licht nach außen scheint.

Für Industrie- und Gewerbebeleuchtung müssen die jeweils gültigen Vorschriften, Normen und Arbeitsstättenrichtlinien als Planungsgrundlage berücksichtigt werden. Werbeanlagen, insbesondere solche mit wechselndem und bewegtem Licht, unterliegen zudem den besonderen Bestimmungen der „Hessischen Bauordnung HBO“ sowie- der "Örtlichen Satzung der Stadt Fulda über die Gestaltung im Städtebau, von Freiräumen, baulicher Anlagen und über Werbeanlagen" vom 20.02.2006.

Architekturbeleuchtung soll emissionsarm erfolgen und sollte dazu so geplant werden, dass kein Licht am zu beleuchtenden Objekt vorbei strahlt (Projektions-, Masken- oder Gobotechnik). Eine Anstrahlung sollte nur von oben nach unten erfolgen. Die Lichtfarbe sollte mit der Architektur, dem Material und der Oberfläche abgestimmt sein.

Zu hohe Leuchtdichten in Schaufenstern (z.B. Lichtwände bzw. Displays) sollten vermieden werden, da diese indirekt zur Himmelsaufhellung beitragen und den Sehkomfort im öffentlichen Raum einschränken. Licht soll auf auszustellende Objekte und Waren ausgerichtet sein und eine Abstrahlung in den Stadt-/Straßenraum vermieden werden. Der Grenzwert liegt bei einer mittleren Beleuchtungsstärke von max. 40 Lux – auf der Fläche 1,0 m vor und über die gesamte Länge der Schaufensterfläche, gemessen auf dem Boden.
Die Schaufensterbeleuchtung ist bedarfsgerecht auf Betriebszeiten zu begrenzen: als Nachtruhe gilt in der Altstadt – analog der Schaltzeiten der Straßenbeleuchtung - grundsätzlich der Zeitraum von 22:30 Uhr – 5:30 Uhr.

Lichtwerbeanlagen mit weitreichender Sichtwirkung sollten grundsätzlich im Zusammenhang mit der Nutzung der jeweiligen Grundstücksfläche/des jeweiligen Betriebs stehen. Rein dekorative, z. B. farbige Beleuchtung ohne Werbeaussage ist zu vermeiden. Darüber hinaus gelten die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes.

Die Hintergründe (größte Flächenanteile) selbstleuchtender Werbetafeln sollten in dunklen oder warmen Tönen gehalten werden. Optimal ist eine helle Schrift auf dunklem Hintergrund.

Werbeanlagen (freistehend oder an Gebäuden) sollten mit ihrer Oberkante die Traufhöhe der Gebäude nicht überschreiten.
Anlagen mit schnell wechselndem und / oder bewegtem Licht sollten unbedingt vermieden werden.

Projekte

„Einzigartig in der Welt“ Experte würdigt das Duo aus Sternenpark und Sternenstadt

In der ersten Juli-Woche besuchte ein ranghoher Repräsentant der International Dark-Sky Association (IDA) die Region Fulda: Dr. John Barentine. In Gesprächen mit Verantwortungs-trägern und bei Lokalterminen Fulda sowie im UNESCO-Biosphärenreservat verschaffte er sich einen persönlichen Eindruck und wird seiner Organisation berichten. Organisiert wurde der Besuch vom Verein Sternenpark Rhön e. V., der auch das nachfolgende Interview führte und zur Verfügung stellt. 

Im Gespräch mit Dr. John Barentine, IDA

Vor fünf Jahren verlieh die IDA der Rhön die Auszeichnung Dark Sky Reserve. Wie bewertet die IDA die im Sternenpark Rhön geleistete Arbeit?

Dr. Barentine: Der Rhön 2014 diesen Titel verleihen zu können war uns eine große Freude, denn wir sahen darin einen hoffnungsvollen Anfang unsere Ziele in Europa voranzubringen. Wenn man bedenkt, dass 99 Prozent der Menschen in Europa unter einem lichtverschmutz-ten Himmel leben, so ist die Bewahrung der natürlichen Dunkelheit in einem so großen Gebiet wie der Rhön von herausragender Bedeutung. Es sichert den Lebensraum für nachtaktive Tiere und bewahrt eine zusammenhängende Landschaft, in der die Menschen die Nacht so erleben können, wie sie früher für die Menschheit ganz selbstverständlich war. 

Jetzt nach fünf Jahren stellen wir mit Zufriedenheit fest, dass den Verantwortungsträgern in der Rhön und den angrenzenden Gemeinden zunehmend bewusst wird, wie wichtig der Schutz der Nacht ist. Dies wird dazu beitragen die natürliche Dunkelheit in der Rhön zu bewahren – zum Vorteil zukünftiger Generationen, die entweder hier leben oder als Besucher in die Rhön kommen. Der Sternenpark tut viel, um diese Ziele aktiv voranzubringen und ist damit für andere Schutzgebiete der IDA ein Vorbild.

Im Frühjahr 2019 wurde Fulda zur Sternenstadt ernannt. Wer die Vorgaben der IDA kennt, konnte im Vorfeld durchaus Zweifel daran haben, ob es einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern und Tausenden von Straßenlampen gelingen würde, die strengen IDA-Kriterien zu erfüllen.

Dr. Barentine: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Fulda es schaffen wird. In Anbetracht der Größe der Stadt und der Vielschichtigkeit der öffentlichen Beleuchtung hat die Stadt Fulda bei uns einen provisorischen Status beantragt und erhalten. Damit hat Fulda nun insgesamt acht Jahre Zeit, seine rund 8.500 öffentlichen Leuchten den Vorgaben der IDA anzupassen. In vielen Bereichen ist dies ja bereits geschehen bzw. wird im Zuge ohnehin anstehender Nachrüstungen umgesetzt.  

Um zu einem erfolgreichen Ergebnis zu kommen, braucht all dies die anhaltende Aufmerksamkeit für das Thema und die Unterstützung der mit der Umsetzung Beauftragten durch die Öffentlichkeit. Bei meinem Besuch in Fulda habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich für den Schutz der Nacht engagieren. Sie wissen, dass eine nachtgerechtere öffentliche Beleuchtung die besondere Atmosphäre der Stadt unterstreicht, ohne die öffentliche Sicherheit zu beeinträchtigen. 

Welchen Rat würden Sie Bürgern und Geschäftsleuten in der Region mit auf den Weg geben? Und worin kann für sie der Wert des Titels “Sternenstadt“ bzw. „Sternenpark” liegen?

Dr. Barentine: Zunächst hat sich Fulda selbst ja bereits einen herausragenden Rang gesichert, auf den die Stadt stolz sein kann: Sie ist die erste Dark Sky Community in Deutschland. Aber es bleibt noch genug zu tun, denn die Auszeichnung ist der Beginn eines Prozesses. 

Der IDA-Status zeigt den Menschen in der gesamten Rhön, dass der Schutz der Nacht als Wert erachtet wird, der zur Lebensqualität beiträgt. Als westliches Eingangstor zur Rhön wird Fulda für anreisende auswärtige Astro-Touristen die erste Station sein. Wir erhoffen uns davon zusätzliche Einnahmen in der Region. Denn Astro-Touristen bleiben zwangsläufig über Nacht. In den USA haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche “Sternengucker” dreimal so viel ausgeben wie Tagestouristen. Und der einzelne Bürger hat etwas von der Sternenstadt oder dem Sternenpark, zum Beispiel wenn er seine private Außenbeleuchtung optimiert und auf diese Weise Strom spart. Kurzum: Wenn Kommunen, Bürger und Gewerbetreibende unseren Empfehlungen folgen, hat das für sie nur Vorteile.  

Wie viele Dark-Sky-Orte gibt es bereits weltweit und wie viele davon in Europa? 

Dr. Barentine: Weltweit gibt es 22. Nur fünf davon befinden sich in Europa und gerade einmal zwei in Kontinentaleuropa: die dänischen Inseln Møn und Nyord sowie Fulda. Viele der International Dark Sky Communities haben weniger als 1.000 Einwohner und nur in geringem Umfang öffentliche Beleuchtung. In Fuldas Größenklasse gibt es weltweit nur eine einzige weitere Sternenstadt: Flagstaff in Arizona. Das war 2001 die erste Dark Sky Community überhaupt. Flagstaff und Fulda haben beide rund 70.000 Einwohner und viele tausend öffentliche Leuchten. Deshalb haben diese beiden Städte in Bezug auf die Erreichung der Ziele die ehrgeizigste Aufgabe. 

In der Region Fulda gibt es die Besonderheit, dass der etablierte, ländliche geprägte Sternenpark Rhön und die neue Sternenstadt Fulda zusammenstoßen. Ist davon ein Synergie-Effekt zu erwarten?

Dr. Barentine: In der Tat gibt es in unserem weltweiten Programm nirgendwo sonst eine eine vergleichbare Beziehung zwischen einem ländlichen Schutzgebiet und einer Stadt wie zwischen Fulda und der Rhön. Bereits während des Aufnahmeverfahrens für den Sternenpark im Jahr 2013 hatten wir gesagt, dass es wegen der unmittelbaren Nähe von Fulda zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wünschenswert wäre, wenn auch Fulda verstärkte Anstrengungen unternehmen würde, um die Auswirkungen der Lichtverschmutzung zu reduzieren. 

Deshalb waren wir hoch erfreut, als Fulda im Frühjahr 2019 den Status als Sternenstadt errang. Denn das ist nicht nur gut für die Stadt selbst, sondern langfristig betrachtet auch für die Rhön. Insofern bringt dieses Zusammenspiel tatsächlich Synergie-Effekte, die es nicht gäbe, wenn beide Gebiete voneinander entfernt auf sich gestellt wären. Dieser Fulda-Effekt wird zu einem höheren Standard des Nachtschutzes in der Gesamtregion führen.

Während Ihres Aufenthalts in der Region Fulda sind Sie auch mit Martin Heun, dem Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda, zusammengetroffen. Logischerweise war und ist der regionale Energieversorger bei der Konzeption und Umsetzung von Sternenpark und Sternenstadt ein entscheidender Player. Bekommen Sie von der RhönEnergie Fulda Unterstützung?

Dr. Barentine: Ja. Die RhönEnergie Fulda ist für uns ein wichtiger Partner bei der Umsetzung unserer Ziele in Deutschland. Von dieser Seite gibt es keinerlei Widerstand - im Gegenteil. So hat die IDA bereits 2016 den Geschäftsführer der OsthessenNetz GmbH, der Netzgesellschaft der RhönEnergie, Matthias Hahner, mit dem Lighting Design Award ausgezeichnet. Begründet war dies mit der Installation einer nachhaltigen, nachtfreundlichen Beleuchtung eines Parkplatzes auf der Wasserkuppe. 

Kluge und weitsichtige Geschäftsführer von Energieversorgern wie Herr Heun haben erkannt, dass der Schutz der Nacht als positiv besetztes Thema zur Firmenphilosophie passt. Auf den ersten Blick mag es paradox erscheinen, dass eine Reduzierung des Lichteinsatzes in der Nacht für einen Stromversorger gut sein könne. Aber es ist so. Der Einsatz für eine nachtgerechte Beleuchtung macht den Energieversorger in den Augen seiner Kunden sympathisch, weil er sich “als guter Nachbar” für ein Ziel einsetzt, das für eine breite  Öffentlichkeit erstrebenswert ist. 
Dies alles hilft uns bei unserem Anliegen in der Region die Außenbeleuchtung im Sinne der IDA-Ziele zu optimieren. Die Unterstützung der RhönEnergie hat die Nominierung der Stadt Fulda als Dark Sky Community entscheidend vorangebracht. In ähnlicher Weise haben auch die anderen Energieversorger in der Rhön die Anforderungen des Sternenparks Rhön in Abstimmung mit den Kommunen vorbildlich umgesetzt. 

Wo sehen Sie die Welt im Jahr 2025? Wird sich etwas ändern?

Dr. Barentine: Die Theorie der Organisationspsychologie besagt, dass Muster des sozialen Wandels bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar sind und dass der Wandel mit der öffentlichen Aufmerksamkeit für Themen auf- und abwärts geht. Die Aufmerksamkeit für die Lichtverschmutzung auf der ganzen Welt nimmt zu, und mit ihr steigt allmählich die öffentliche Forderung nach Veränderung. Ich denke, dass wir im nächsten Jahrzehnt feststellen werden, dass die Lichtverschmutzung als eine Form der Umweltverschmutzung angesehen wird, die genauso schwerwiegend ist wie die von Luft und Wasser, und das ebenfalls eine Reglementierung erfolgen wird. Es kann sich durchaus auch auf den Klimawandel beziehen, und die Erkenntnis, dass nutzloses Außenlicht in der Nacht Energieverschwendung ist. 

Dies wird Institutionen wie die EU dazu motivieren, neue Normen für den Umgang mit Licht zu schaffen, und dann werden wir endlich einen Rückgang der Lichtverschmutzung in Europa feststellen. Aber der nächtliche Lichtverbrauch steigt jetzt am schnellsten in den Entwicklungsländern, von denen sich viele an Orten wie Afrika befinden, und das stellt angesichts der vergangenen Geschichte des Kolonialismus besondere Herausforderungen für unsere Bemühungen dar.

Orten wie Fulda und die Rhön kommt eine besondere Vorreiterrolle zu. Sie haben eine einzigartige Symbiose zwischen Siedlung und Natur geschaffen und sind ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Menschen einfach bewusst mit der Ressource Kunstlicht bei Nacht umgehen. Bis 2025 wird Fulda auf dem besten Weg sein, die Nachrüstung der Außenbeleuchtung auch zum Schutz des Sternenpark Rhön abzuschließen, und der Zweck der neuen Beleuchtung wird von den Stadtbewohnern anerkannt werden. Sie werden die Vorteile dieser Beleuchtung verstehen und sie als Verbesserung betrachten - ein weiterer Schritt in der Geschichte der Barockstadt. So wird die Region Fulda als Beispiel dienen, dem die ganze Welt nacheifern kann.

Zur Person 

John Barentine ist Direktor für den Bereich "Öffentliches Recht" bei der International Dark-Sky Association (IDA) in Tucson, Arizona, USA. Er promovierte in Astronomie an der University of Texas in Austin und war zuvor in Stabsfunktionen am National Solar Observatory, Apache Point Observatory und der Sloan Digital Sky Survey tätig. Während seiner gesamten Karriere war er in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit involviert, um das öffentliche Verständnis von Wissenschaft zu fördern. Zusätzlich zu seiner Arbeit für die IDA ist er Gründungsmitglied des University of Utah Consortium for Dark Sky Studies, arbeitet in Lichtverschmutzungskomitees der American Astronomical Society und der International Astronomical Union und ist Fellow der Royal Astronomical Society. John ist Autor von zwei Büchern über die Geschichte der Astronomie, The Lost Constellations und Uncharted Constellations. Der Asteroid (14505) Barentine wird zu seinen Ehren genannt. Seine Interessen außerhalb der Astronomie und Lichtverschmutzungsforschung umfassen Geschichte, Kunst und Architektur, Politik, Recht und aktuelle Ereignisse.

Das Selbstverständnis der IDA

Das Kürzel “IDA“ steht für die International Dark-Sky Association, eine Umwelt-NGO (Non-Government Organization), die 1988 in Arizona, USA, gegründet wurde. Die IDA ist eine ehrenamtlich arbeitende Basisorganisation, deren Aufgabe es ist, die nächtliche Umwelt und unser gemeinsames Erbe des dunklen Himmels durch umweltfreundliche Außenbeleuchtung zu erhalten und zu schützen. Wir argumentieren nicht dafür, die Lichter der Welt auszu-schalten, um unsere Mission zu erfüllen, und erkennen an, dass es viele legitime mensch-liche Bedürfnisse nach künstlichem Licht bei Nacht gibt. Unser Ziel ist es vielmehr, die Art und Weise zu verändern, wie die Menschheit über ihr Verhältnis zur Außenbeleuchtung denkt. Wir sind der Überzeugung, dass eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Verhältnis zu einer besseren Nutzung der Ressource Licht führt.

Der Zustand unseres Nachthimmels verschlechtert sich auf der ganzen Welt und wir betrachten dies als Indikator für die Gesundheit der gesamten Umwelt. Die natürliche Dunkelheit in der Nacht ist das größte Habitat und eng mit dem Funktionieren der Ökologie, einer geringeren Abhängigkeit von Energie, der der menschlichen Gesundheit und einer Vielzahl anderer sozialer und ökologischer Vorteile verbunden. Wo die Dunkelheit in der Nacht durch den verschwenderischen Einsatz von Kunstlicht bei Nacht beeinträchtigt wird, sehen wir das Gegenteil. Dennoch ist dies eines der am einfachsten zu lösenden Umwelt-probleme, da der „Schadstoff“ - das Licht - mit der Verbesserung der Lichtquelle sofort von der Bildfläche verschwindet.

(c) Verein Sternenpark Rhön e. V. 2019

Mitmachen beim Insektenprojekt „AuBe“

Seit Anfang März 2020 sind sicher schon viele Spaziergänger und Radfahrer am Justus-Schneider-Weg in der Fulda-Aue auf sechs Insektenfallen an Laternen aufmerksam geworden. Es handelt sich hierbei um ein bundesweites wissenschaftliches Forschungsprojekt, das Projekt Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe). Mit den Fallen soll an ausgewählten Standorten in mehreren Bundesländern der Einfluss der nächtlichen Straßenbeleuchtung auf Insekten untersucht werden.

Insektenfallen in der Fulda-Aue werden aktiviert

Seit Anfang März 2020 sind sicher schon viele Spaziergänger und Radfahrer am Justus-Schneider-Weg in der Fulda-Aue auf sechs Insektenfallen an Laternen aufmerksam geworden. Es handelt sich hierbei um ein bundesweites wissenschaftliches Forschungsprojekt. Mit den Fallen soll an ausgewählten Standorten in mehreren Bundesländern der Einfluss der nächtlichen Straßenbeleuchtung auf Insekten untersucht werden. 

Im Rahmen dieses sogenannten AuBe-Projektes (Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung) wurden am Montag, 15. Juni, um 20.45 Uhr ein weiteres Mal die Insektenfallen im Justus-Schneider-Weg in den Fuldaauen aktiviert. Die Dauer betrug ca. eine Stunde. Am 16. Juni zur Morgendämmerung wurden die Fangbehälter gewechselt und am Abend um 20.45 Uhr wieder eingesammelt. 

An den beiden waren alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich am Projekt zu beteiligen und gemeinsam den Effekt von künstlichem Licht auf die heimische Insektenfauna in der Nähe von Gewässern zu untersuchen. Es wurden Fragen zum AuBe-Projekt, zu nachhaltiger Außenbeleuchtung und einem ganzzeitlichen Naturschutz beantwortet. Wer also bei einem schönen Sonnenuntergangspaziergang ganz aktiv die Natur schützen will, ist hier genau richtig.

Hintergrund: Projekt Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe)

Durch das Projekt, das in mehreren Bundesländern durchgeführt wird, sollen Insekten mithilfe eines neuen Beleuchtungsdesigns für Laternen geschützt werden. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Durch eine optimierte Leuchtmittelabschirmung soll Streulicht in die Flugbahn und damit der Anziehungseffekt der Leuchten verringert werden. Herkömmliche Leuchten locken Insekten an (Staubsaugereffekt) oder lösen einen sogenannten Verharrungseffekt aus, der bewirkt, dass das Insekt bleibt, wo es ist. Nächtliche Lebensräume von Insekten und anderen Tieren werden durch Lichtbarrieren durchschnitten. Das von Laternen ausgestrahlte Licht soll also nur noch dorthin fallen, wo es auch gebraucht wird: auf Gehwege oder Straßen. 

Einmal im Monat zum abnehmenden Halbmond werden die Fallen aktiviert und anschließend die Insekten eingesammelt und bestimmt. Die erste Stichprobe fand in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2020 statt. Im Herbst 2021 wird die Hälfte der Beleuchtung durch das neu entwickelte Beleuchtungsdesign ausgetauscht. Es bleiben Streckenabschnitte mit der alten Beleuchtung als Kontrolle erhalten, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen.

Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative gegen das durch Lichtverschmutzung hervorgerufene nächtliche Insektensterben, koordiniert durch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB, Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Lichttechnik der TU-Berlin sowie Partnerstädten und Gemeinden in verschiedenen Bundesländern. Fulda nimmt als Sternenstadt neben drei anderen Versuchsorten (Gülpe, Neuglobsow und Krakow am See) teil. 

Ein weiteres Ziel des AuBe-Projekts ist, die Umweltbildung im Bereich der heimischen Insektenfauna zu stärken, den Wert der nächtlichen Dunkelheit bewusst zu machen und umweltfreundliche Beleuchtungslösungen zu fördern. Dadurch werden die negativen Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich gehalten. Alle Interessierten sind willkommen, sich am Projekt zu beteiligen.

Kontakt: 
Isabell Charis Wuthenow (Umweltzentrum Fulda)
Charis.Wuthenow(at)Fulda.de
kontakt(at)umweltzentrum-fulda.de
(0661) 1024397 oder (0661) 9709790

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/

„Visit dark skies“ - Hörerlebnis am Umweltzentrum Fulda Die Gelegenheit den Fuldaer Sternenhimmel auf eigene Faust zu entdecken

Das Hörerlebnis „Visit dark skies“ - eine Sternenführung zum Selbsthören auf dem eigenen Smartphone – ist ab dem Osterwochenende am Umweltzentrum Fulda zu erleben. Ganz unter Einhaltung der Pandemieauflagen können Interessierte vor Ort einen QR-Code scannen und erhalten kostenlos ihre persönliche Sternenführung direkt aufs eigene Smartphone. 

Die Sternenführung zum Selbsthören

Das Hörerlebnis „Visit dark skies“ - eine Sternenführung zum Selbst-hören auf dem eigenen Smartphone – ist ab dem Osterwochenende am Umweltzentrum Fulda zu erleben. Ganz unter Einhaltung der Pandemieauflagen können Interessierte vor Ort einen QR-Code scannen und erhalten kostenlos ihre ganz persönliche Sternenführung direkt aufs eigene Smartphone. 

Pünktlich zum Start der „dark sky week“ der International Dark Sky Association (IDA) bietet die von der IDA zertifizierte „Sternenstadt“ Fulda eine besondere Attraktion in besonderen Zeiten. Denn leider können die Sternenführungen des Vereins Sternenpark Rhön aufgrund der Corona-Auflagen derzeit nicht stattfinden. Vor diesem Hintergrund bietet das Hörerlebnis „Visit dark skies“ die gute Gelegenheit, den bezaubernden Nachthimmel über Fulda auf eigene Faust zu entdecken. Schließlich leben wir in der Sternenstadt Fulda mit optimaler Nähe zum Sternenpark Rhön ein einem Paradies für Hobbyastronomen und Nachthimmelliebhaber. 

Das für die Nutzerinnen und Nutzer kostenlose Angebot soll noch bis mindestens Ende des Jahres zur Verfügung stehen. Die Tafeln zum Einscannen des QR-Codes befinden sich am Eingang zum Hauptgebäude des Umweltzentrums (auf einem Plakat) sowie auf einem Metallständer zwischen den Bouleflächen und dem Bauerngarten. 

Das Hörerlebnis vermittelt Wissen rund um den Sternenhimmel und die Dunkelheit. Sie ermöglicht es, in eine entspannte und intensive Himmelsbetrachtung zu versinken. Das Hörerlebnis klingt mit Musik aus. Inhalte sind: „Der Große Wagen – Sternensuche und Sternbildgeschichten“, „Dein Auge und die Nacht - die Wahrnehmung des Nachthimmels in seiner Gesamtheit“. Das Hörerlebnis dauert 25 Minuten. 
 

Studioausstellung „Nachtaktive Tiere“ im Vonderau Museum Die Gelegenheit den Fuldaer Sternenhimmel auf eigene Faust zu entdecken

Das Vonderau Museum wirft mit der kleinen Studioausstellung einen Blick auf die nachtaktiven Tiere in den Schaukästen der Dauerausstellung zu den Lebensräumen Wald, Flur und Siedlung.

Die kleine Studioausstellung

Die kleine Studioausstellung wirft einen Blick auf die nachtaktiven Tiere in den Schaukästen der Dauerausstellung zu den Lebensräumen Wald, Flur und Siedlung. 10 Textfahnen nehmen klassische nachtaktive Tiere wie Uhu, Fledermaus, Waschbär und Insekten in den Fokus. Ein Video-Zusammenschnitt zeigt die nächtlichen Besucher im heimischen Garten von Museumsleiter Dr. Frank Verse. Die nächtlichen Aufnahmen von Steinmarder, Waschbär, Biber, Spinne und Wildschwein-Rotten stammen von Madeleine Bosold von der Unteren Naturschutzbehörde und von Familie Glaser.

Das Leben in der Dunkelheit setzt eine gute Anpassung voraus. Im Laufe der Evolution haben sich die Eigenschaften, die den Tieren Vorteile für das Leben in der Nacht verschaffen, weiterentwickelt und stärker ausgeprägt. So sind bei nachtaktiven Tieren (30% der Wirbeltiere und 60 % der Wirbellosen) die Seh-, Hör-, Tast- und Geruchssinne besonders gut ausgebildet. Von den Vögeln der Nacht haben Eulen wie etwa der Uhu eine so ausgezeichnete Nachtsicht, dass sie sogar in mondlosen Nächten 100 Meter entfernte Mäuse sehen können. Auch Fledermäuse sind mit ihrer Ultraschall-Echo-Ortung perfekt an die Dunkelheit angepasst. Von den zugewanderten „Neubürgern“ ist der Waschbär ausgewählt worden, der als Siedlungsfolger auch im Schaukasten mit dem Dachboden anzutreffen sein könnte. Ein 2. Videofilm vom NABU-Brandenburg zeigt, wie ein zu kräftiger Waschbär versucht, nachts in einen Waldkauz-Kasten zu klettern, um ihn zu plündern.

Künstliches Licht als tödliche Falle

Was uns in der Nacht ein Gefühl von Sicherheit gibt, kann für Nachtfalter, die den Mond als Lichtquelle zur Orientierung nutzen, zur tödlichen Falle werden: Sie werden von alten Straßenlaternen mit kaltem Licht wie von einem „Kunstmond“ angezogen. In einem konstanten Winkel zur Straßenlaterne geradeaus zu fliegen funktioniert nicht mehr, denn durch die Nähe der Lichtquelle ändert sich der Winkel schnell und stetig. Die Nachtfalter korrigieren von da an unablässig ihre Flugrichtung – und enden damit auf einer endlosen Kreisbahn um die Lampe. Das kostet Kraft und lässt die erschöpften Insekten zur leichten Beute werden oder endet mit dem Erschöpfungstod.

Große Aufmerksamkeit erregte im Oktober 2017 eine Studie aus Krefeld, bei der Biologinnen und Biologen dank langjähriger Feldforschung einen drastischen Schwund von Fluginsekten belegen konnten. Im Schnitt ist die Menge der Insekten innerhalb von 27 Jahren um etwa drei Viertel zurückgegangen. Geschätzt eine Milliarde Insekten lassen ihr Leben in einer einzigen Sommernacht allein an Deutschlands Lampen. Sie sterben aus Erschöpfung oder verbrennen. Zudem stört das künstliche Licht ihren Tag-Nacht-Rhythmus und ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten.

Am Ende der Ausstellung gibt es noch Hinweise und wertvolle Tipps der Sternenstadt Fulda, was jeder rund ums Haus und in seinem Garten zur Reduzierung der Lichtverschmutzung tun kann. In der Ausstellung wird für kleine und große Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit geboten, mit UV-Taschenlampen die nachtaktiven Tiere in den Lebensräumen Urwald, Buchenwald, Mischwald, Fichtenforst, Grünland, Feldflur, Obstgarten und Dachboden ausfindig zu machen.

Vonderau Museum Fulda, www.museum-fulda.de, Di – So 10 – 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

Hinweis Durch den Aufbau der großen Sonderausstellung „75 Jahre Demokratie in Hessen und Fulda“ und durch eine Bauuntersuchung könnte die Wegeführung für die Besucher kurzzeitig umgeleitet werden

„Einzigartig in der Welt“
Mitmachen beim Insektenprojekt „AuBe“
Sternenführung zum Selbsthören
Nachtaktive Tiere

Bildergalerie

Downloads & Links

Berichte - Web, Funk und TV

31.05.2021 | DLF - Deutschlandfunk | Ausschnitt Sendung "Umwelt & Verbraucher"

12.05.2021 | WDR | Gesetzentwurf: Es werde weniger Licht!

24.02.2021 | WDR | kugelzwei Lichtverschmutzung

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